Juni 2005

Bau von Brünigbahn-Güterwagen Gk 2022..2070

SBB Brünig Gk 2042

Gut 100 Jahre lang (!) haben die gedeckten Güterwagen des Typs Gk das Bild der Brünigbahn geprägt. Da die Brüniglinie lange Zeit als einer der stretegischen Rückgrate für die Armee galt, wurde ein grosser Park von gedeckten Güterwagen gehalten, die äusserlich zwar fast immer im Bestzustand auftraten, sich bei genauerem Hinsehen jedoch als bloss gut unterhaltene, technisch veraltete Fahrzeuge erwiesen. Die Umstellung der Armeelogistik auf den umweltschädlichen Strassentransport hat diesen Wagen im Laufe der letzten zwei Dekaden die Existenzgrundlage entzogen. 

SBB Brünig Gk 2044

Glücklicherweise haben ein paar wenige dieser Wagen den Weg zu den angeschlossenen Museumsbahnen und zur BOB geschafft, wo sie wohl noch für länger der Nachwelt erhalten bleiben. 

 

Vorwort

 

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Das Ziel dieser Anleitung ist es, den Nachbau eines präzis massstäblichen Modells der gedeckten Güterwagen Gk 2022..2070 für H0m zu beschreiben. Obwohl alle Schritte genau beschrieben werden, ist einige Erfahrung im Fahrzeugbau erforderlich. Fast alle Teile werden selbst hergestellt, und das erreichbare Resultat hängt primär von der Präzision bei diesen Arbeitsschritten ab. Dieser Hinweis soll Dich nicht etwa entmutigen, sondern bloss dazu dienen, eventuellen Enttäuschungen vorzubeugen. Wenn Du noch nie ein Fahrzeug selbst (um)gebaut hast, dann empfehle ich, mit einem BEMO-Umbau für einen S- oder Kbk-Wagen zu beginnen. Dieses Wagenmodell ist eine erste "schnelle" Einführung in einen Teil der hier erforderlichen Feinstarbeiten. Dessen Bauanleitung ist im Archiv zu finden.

Vor Baubeginn sollte Klarheit über die erforderlichen Werkzeuge und Materialien, sowie über den zu erwartenden Aufwand bestehen. Dazu ist die gesamte Bauanleitung mindestens einmal von Anfang bis Schluss zu studieren. Für gewisse Arbeitsschritte ist die Reihenfolge bei der Montage ganz wesentlich.

Wichtiger Hinweis zum Urheberrecht: alle hier dargestellten Bilder, Daten und Angaben sind ausschliesslich zur privaten, nicht-kommerziellen Verwendung bestimmt! Jeglicher kommerzielle Gebrauch dieser Informationen, insbesondere die kommerzielle Verwendung der Schriftsätze, Formgebung, Konstruktionslösungen sowie Farbmischungen unterliegt stückzahlabhängigen Lizenzgebühren. Missachtung dieser Regel wird streng verfolgt.

 

Abkürzungen

B = Bremserbühne (Wagenende Luzern)
Cu = Kupfer
PS = Polystyrol
LZ = Wagenende Luzern (mit Bremserbühne)
MR = Wagenende Meiringen
MS = Messing
NS = Neusilber
FB = Federbronze
OP = Old Pullman Modellbahnen AG, Postfach, CH-8712 Stäfa   www.oldpullman.ch
HP = Hassler Profile, Oberbühl 111, FL-9487 Gamprin / Liechtenstein    www.hassler-profile.li
FH = Fachhandel
grüner Text = betrifft nur die Montage von   +GF+ Originalkupplungen von H-R-F
oranger Text = betrifft nur die Montage von BEMO-Kupplungen

 

Benötigte Materialien:

Fertigteile:
- 1 Packung Bremsklötze (BEMO 2255 000 161)
- 1 Packung Achslager (BEMO 5651 200)
- 2 Stk. 8V-Speichenradsätze (H-R-F 1960-4)
- 1 Paar Bremsschläuche Typ Brünig-Wagen (H-R-F 1928-1 )
- 1 Bremszylinder (H-R-F 1944-0)
- 2 Begleitpapierhalter (H-R-F 1351)
- Teile für Bremszylinder und Lufttanks (Messing für Urmodelle oder Polystyrol für Einzelanfertigung, siehe unten)
- 1 Paar funktionsfähige +GF+ Kupplungen (H-R-F 1925-1)
- 1 Paar Kupplungen (BEMO 5363 200 / 10er-Packung)

Werkzeug:
- Schublehre mit Anreisskanten
- diverse feine Nadelfeilen (Hieb 3 bis 4)
- Laubsäge mit feinem Metallsägeblatt
- wenn vorhanden Blechschneide-Einrichtung, sonst gute Schere verwenden!
- scharfes Japanmesser
- diverse Werkzeuge wie Mikro-Flachzange, Mikro-Seitenschneider, Uhrmacherpinzetten, Schere, feine Ahle, Reibahlen
- Minibohrmaschine mit Diamant-Trennscheibe, kleiner Trennsäge, Bohrer 0.2mm bis 2.3mm in 0.1mm-Schritten 
   45°-Senkfräser (Durchmesser max. 2mm)
- Lötkolben (min. 30W, feine Spitze), Elektroniklot, Lötwasser (10% Zinkchlorid aq.), Glasfaserpinsel
- Vorrichtung zum Biegen von Dachblechen:
   - Buchenholz-Rundstäbe 12 und 28mm  (wirklich ganz rund!), je 25cm lang
   - 2 Buchenholz-Leisten 10 x 23mm, je 25cm lang
   - kleiner Schraubstock, zwei Schraubklemmen
- eine Lehre zum Prägen von Nietköpfen (Art. 08.06.01 von Günter Weimann, Krottensee 111, D-91284 Neuhaus)
- ein Rundordner oder ein rundes Archiv. Die Entropie gewinnt nämlich immer.

Evergreen (wir eröffnen eine neue Evergreen-Filiale!):

- Platte 0.13mm (OP 853605)
- Platte 0.25mm (OP 853606)
- Platte 0.38mm (OP 853607)
- Platte 0.50mm (OP 853608)
- Platte 0.75mm (OP 853609)
- Platte 0.5mm dick / längsgerillt d=2.5mm (OP 853407)
- Platte 0.5mm dick / längsgerillt d=1.0mm (OP 853403)
- Platte 1.0mm dick / längsgerillt d=1.3mm (OP 853424)
- Vierkantprofil 0.25 x 0.50 mm (OP 853100)
- Vierkantprofil 0.25 x 0.75 mm (OP 853101)
- Vierkantprofil 0.50 x 0.50 mm (OP 853120)
- Vierkantprofil 0.50 x 0.75 mm (OP 853121)
- Vierkantprofil 0.50 x 1.00 mm (OP 853122)
- Vierkantprofil 0.50 x 4.00 mm (OP 853127)
- Vierkantprofil 1.50 x 2.00 mm (OP 853154)
- Vierkantprofil 2.0 x 2.0 mm (OP 853164)
- Vierkantprofil 2.0 x 6.3 mm (OP 853169)
- Vierkantprofil 3.2 x 3.2 mm (OP 853186)
- Spezialprofil [ 2.0 und 2.5 mm (OP 853362 und 853363)
- Rundstab 0.75mm (OP 853310)
- PS-Rohr 3.2mm (OP 853324)

Klebstoffe:
- PS-Schweissmittel (siehe unten!)
- Sekundenkleber: ich empfehle dünnflüssigen Standard-Sekundenkleber von Migros oder Pattex, immer frisch verwenden
- Faller Expert PS-Kleber (FH)
- Tesa Alleskleber (FH)

Metall:
- MS-Bleche 0.2 / 0.3 / 0.5 mm halbhart bis hart (FH, OP, HP, Conrad Electronic)
- MS-Draht 0.2 / 0.4 / 0.5 mm (OP)
- NS-Draht 0.3 mm (HP)
- U-Profil 1.0 x 1.0 mm, gefräst
- FB-Blechstreifen 0.2 x 0.5 mm (selber herstellen)
- MS-Blechstreifen 0.1 x 0.6 mm (selber herstellen)
- Cu-Blech 0.3 mm oder 0.5 mm für Ballastgewichte
- NS-Gitterblech durchgeätzt, rechtwinklig (H-R-F 1209-0)

- 4 (6) Stahlschrauben M 1.4 x 3 mm, schwarz vernickelt (mit "+"-Kopf) (OP, H-R-F)
- 4 Messingschrauben M 1.0 x 1.5 mm (OP, H-R-F)

Farben:
Farben: Revell: 302, 378  / Humbrol: 29, 56, 60, 70, 100, 113, 141, 147 / Verwitterungsfarben auf Acrylbasis (z.B. Polly Scale von Old Pullman, Farbtöne Schwarz, Staub, Rost, Oxydrot, öliges Schwarz - nach Belieben)

Ohne Airbrush ist die Lackierung von PS-Modellen unmöglich. Dies ist zu Beginn eine Investition im Bereich von Fr. 150.- an aufwärts, lohnt sich aber absolut. Zur Not findet sich meist jemand, wo man eine Ausrüstung benützen oder ausleihen kann. 

Beschriftung:
- Abreibebeschriftung weiss transparent zu bestellen bei
Identico Zürich.

 

Download der Beschriftungsdaten:

Gk 2041 / 2062

PDF

85 KB

Die Zeichnungen sind im Massstab 8:1 für H0 gezeichnet. Bitte die Grösse des Druckes kontrollieren; eventuell Druckereinstellungen anpassen. Die Beschriftungsdaten müssen genau mit Originalgrösse ausgedruckt, mit dem Kopierer auf 50 % verkleinert werden, und danach als Abreiber weiss transparent, Grösse 25 % bestellt werden. Sammelbestellungen auf demselben Film sind preislich sehr empfehlenswert.

Gk 2042 / 2059

PDF

85 KB

 

Download des Bauplans:

Gk 2022..2070

PDF

764 KB

Zusammenstellung der Teile mit Bemassung

 

Schneiden von Polystyrol-Platten und -Profilen



Das Anzeichnen der Schnitte ist eher hoffnungslos, da Bleistift selten hält und Prokischreiber zu fett sind. Ich verwende meist meine Schublehre, die auf der Rückseite der Gabeln plane Flächen und Kanten aufweist und somit zum Anreissen dienen kann. Man erreicht damit eine hohe Präzision bis auf 1/20mm, wenn man sich an einer Kante des Werkstückes orientiert. Man darf nicht drücken, sonst hat man gleich eine Rille im PS, doch die Linie ist bei flacher Beleuchtung sehr gut sichtbar - sonst kann man sie durch etwas Werkstatt-Patina (von den Fingern!) etwas anfärben.

Geschnitten wird Polystyrol grundsätzlich mit dem Japanmesser. Die Anschaffung echter japanischer Prudukte (ich verwende den "NT cutter Pro A") mit passenden Abbrechklingen japanischer Herkunft ist dringend empfohlen. Auch die Schneidunterlage ist ein japanisches Original. China- und Taiwan-Imitate sind zwar viel billiger, versagen im Vergleichstest jedoch kläglich.

Ich verwende beim Schneiden seit Jahren TZ- oder Geo-Dreiecke aus klarem Plexiglas. Leider sind diese mittlerweile kaum noch zu kaufen. Das Dreieck liegt stets auf der Seite, wo das Material stehenbleiben soll. Geschnitten wird exakt auf der Linie, und das Messer wird analog zu dessen Schliffneigung leicht schräg vom Zeichendreieck weggeneigt. Je nach Stärke des PS ist mehr oder weniger Kraft für den Schnitt erforderlich. Bei offenen Schnitten in dickeren Platten kann  die halbe Plattenstärke angeschnitten werden, und danach die Platte entlang des Schnittes gebrochen werden (immer zuerst an Abfallstücken ausprobieren, ob die Platte hart genug ist für einen sauberen Bruch).

Das Versäubern der Schnitte ist zeitaufwendig und wird üblicherweise unterschätzt. Ohne Versäubern kann ich die Qualität jedes zukünftigen Wagens bereits an dieser Stelle als ungenügend beurteilen.

Dazu wird das Japanmesser mit "langer" Klinge steilkantig seitwärts über die aufgewulsteten Schnittkanten geschabt, bis die Wülste (a) vollständig entfernt sind. Danach wird der umgefaltete Wulst (b) mit mit dem Japanmesser steilkantig über der Schnittkante mit einer bis zwei feindosierten Seitwärts-Bewegungen weggeschabt (c). Sichtkontrolle im Streiflicht durchführen (d)!

Und zu guter Letzt: wie PS geschweisst wird, das ist der Anleitung im Archiv zu entnehmen. 

 

Hier folgen als Muster gleich mal ein paar Bilder des fertigen Resultates. Auf diesen Bildern sollten viele Details nochmals relativ gut ersichtlich sein, falls irgendetwas aus der Bauanleitung unklar sein sollte.

 

--> und los gehts !

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© 2005 Ernst Furrer, letzte Änderung 01.06.2005